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Revolutions per minute

09.06.05 Schubladen für Webdesign

Kennt ihr das? egal wohin man geht beschleicht dich ein Gefühl schon mal hier gewesen zu sein. Man kennt die "styles" und es gibt ein modeorientiertes Publikum, dem man entsprechend nur etablierte Stilrichtungen vorzusetzten braucht. Scheinbar gibt es geheime Absprachen unter Designern, wie Web-Design auszusehen hat - hab wohl was verpasst! Man fühlt sich eigenartig berührt von der Konformität der "Kreativität".

Vom konzeptuellen Ansatz her wird eine einmal erfolgreiche und funktionale Lösung natürlich gerne übernommen, klar, völlig legitim. Häufig wird der Stil gleich mitgeklont, weniger schön. So kommt es, dass ein etablierter Vorreiter den Stil ganzer Sparten prägt. Design von der Stange? Sehgewohnheiten sind meiner Ansicht nach die größten Kreativitätskiller. Sogar bei Wettbewerben und Jury-Mitgliedern erhalte ich gelegentlich den Eindruck, sie haben für die jeweiligen Gewinner bereits im Vorfeld eine exakte Vorstellung, wie sie auszusehen haben. Gerade weil die Mitglieder von Jurys bereits auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken können und für sich beanspruchen zu wissen wie es geht. Das soll jetzt kein Vorwurf sein, man wird einfach zu leicht Opfer seiner Sehgewohnheiten. Es fehlt meist die nötige Distanz, der berühmte Blick von Aussen.

Ok, oft ist der Rahmens zu restriktiv. Man muss als Designer häufig seine Ideen Opfern, um eine den Standards entsprechende Seite zu bekommen. Zunächst will man was wirklich Cooles machen, etwas, das wirklich jedem ge- und auffällt. Doch letztlich endet man oft damit, die Ideen über den Haufen zu werfen zu müssen, "nur" weil sie nicht suchmaschinenoptimierbar sind oder sonst was so nicht funktionieren kann (nicht immer zu recht aber meistens). Und es fällt natürlich schwer danach loszulassen und neu anzufangen.

Design hat genau diesen Spagat zu leisten. Man kann deshalb nicht zu selbstverliebt in eigene Ideen sein und muss dennoch genug Liebe zum Detail mitbringen oder ggf sogar neu anfangen. Wichtig ist einzig die mediengerechte Lösung (Technik und Usability) mit einem passendem Stil (Idee und Branding) zu finden, wobei Technik und Usability meist die harten Kriterien sind. Design um des Designs willen ist nur gut fürs eigene Ego, niemandem sonst, selbst wenn das Design prämiert wird...

von andreas am 09.06.05 14:36

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