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01.10.04 Die Debatte

"I'm Jim Lehrer and I welcome you to the presidential debate 2004.", es gibt wohl kein politisches Ereignis das mit den amerikanischen Präsidentschaftsdebatten vergleichbar wäre. Die Perfektion mit der sie orchestriert werden und die Bedeutung die sie für den Wahlkampf haben sind fast einzigartig, nur die britischen Zuschauer des 19. Jahrhunderts hatten ein ähnliches Spektakel vor sich. Wenn Benjamin Disraeli und William Gladstone sich im Unterhaus über Stunden über die Zukunft des Empire und damit des größten Teils dieses Planeten debattierten, war den Zuschauern bewußt was gerade geschah und die Spannung muss manchmal greifbar gewesen sein.
Der enge überfüllte Saal des Unterhauses mit den grünen Bänken, die Zuschauer die sich auf der engen Balustrade drängen, ganz vorne sich direkt gegenüber sitzend, William Gladstone der Liberale der die koloniale Idee letztendlich verachtet, ihm gegenüber Benjamin Disraeli der mit den Tories das Empire für gottgegeben hält.
Auf der Ballustrade die Gesandten von Bismarck und allen europäischen Mächten, der "Spin-Room" sind die Abgeordneten, die Lords und die Berichterstatter die den Ausgang der Debatten im Empire und in Europa verbreiten werden.

Das ist der einzige Vergleich der die Bedeutung dieser Debatte erklärt, der mächtigste Staat der Welt der alleine fast die Hälfte der globalen Ausgaben für das Militär bestreitet, der eine Allianz aus demokratischen Staaten führt die nach seinen Vorstellungen geformt wurden, dieser Staat debattiert seine Zukunft.
Und es ist eine Debatte, wer dachte er würde einen Schönheitswettbewerb sehen bei dem die unterschiedlichen Sichtweisen der Kandidaten verborgen bleiben irrt sich, beide bleiben bei ihren "talking points" aber gerade dadurch verstärken sie ihre Unterschiede, der Präsident fordert auf den Kurs zu halten, nicht zu schwanken. Kerry redet von Fehlern die gemacht wurde, von Allianzen die zerbrochen wurden.
Es ist die wichtigste Debatte der letzten 20 Jahre, Amerika befindet sich im Krieg, das Vertrauen seiner Allierten ist verschwunden. Kerry sieht dies als seine Chance. Gegen ihn spricht, dass ein großer Teil der Wählerschaft es mit Bush hält. Ihre Position ist unilateral, wenn es geht wollen sie es alleine tun, eine Position die von 14 Jahren als alleinige Supermacht herrührt, von dem berechtigten Gefühl nicht länger Partner unter Gleichen zu sein.

Der Debattensaal trägt dem Rechnung, die Mikrofone sind so fein eingestellt das man die Kandidaten atmen hören kann und das leise Kratzen der Stifte wenn sie sich Notizen machen.
Kerry hat das Szepter in der Hand, die Umfragen sagen klar das die meisten Amerikaner unglücklich sind mit diesem Präsidenten, aber sie haben auch keine hohe Meinung von Kerry. Dies ist seine größte Chance. Er wirkt stark, spricht mit eindringlichen ruhigen Worten, aber Bush ist der Meister dieser Art Debatte, er bleibt bei seinen "Talking Points" er weicht nie von ihnen ab, er führt jede Frage wieder auf sie zurück, dabei blickt er immer direkt in die Kamera. John Kerry dagegen spricht mit dem Moderator, erst am Ende nutzt er den Blick in die Kamera, als dramatisches Element um seiner Abschlusserklärung Gewicht zu verleihen.
Keiner der beiden macht ernsthafte Fehler oder tut irgendetwas überraschendes, manchmal rutschen sie nur haarscharf an etwas vorbei. Etwa als Bush sagt das der Irak nicht länger ein Platz sei "where people get their hands cut off". Manchmal wünscht man sich das einer Kandidaten etwas überraschendes tut, das Kerry als er die Behauptung Bushs, es gäbe eine große Koalition im Irak angreift, auf die tausend Affen die Marokko angeblich den USA angeboten hat ( wenn man Michael Moore glauben kann ) verweist.
Ihr Debattenstil ist gerägt von Stichwörtern, Kerry erwähnt, das Israel sicherer wäre mit ihm, Bush benutzt immer wieder das Wort "pray", beten, um seine eigene Zielgruppe der christlichen Rechten anzusprechen. Kerry richtet im Gegenzug einen starken Appell an die Wähler die dem Militär nahestehen und er benutzt die Stichwörter "global warming und "stem cell research" beides Themen in denen er der Mehrheit der unentschlossenen Wähler viel näher steht als Bush.

Die Charakterdiskussion am Ende fokussiert alles, Bush greift Kerry, mit den gleichen Zitaten an, Kerry sei wechselhaft, würde mit den politischen Stimmungen gehen, aber Kerry bleibt sehr ruhig wiederholt seine Punkte, das der Präsident das amerikanische Volk in die Irre geführt hätte.
Nach der Debatte, zeigen fast alle Umfragen das Kerry deutlich gewonnen hat, auch die "Pundits" die Meinungsmacher der Nachrichentkanäle sind sich darin einig.

Danke Amerika, für die Demokratie, die Show und das Ergebnis.

Erlangen, 6 Uhr 45.