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Nadine Czermak gehört nicht zu den Gründern, die mit sicherem Auftreten und einem "return of investment" Millionen für ihre Aktiengesellschaften bewegen. Die 20jährige bereitet sich im Moment auf den Sprung in die Selbstständigeit vor, aber für sie ist es keine freiwillige Entscheidung. "Was willst machen als Köchin" sagt sie mit leiser Stimme und fränkischem Akzent. "Es gibt halt nix anders". Selbst jetzt, kurz vor der eigenen Gründung, gibt sie offen zu Angst zu haben. "Weil du doch nie weißt was auf dich zukommt". Mit ihrer zurückhaltenden, stillen Art und ihren 1,60m wirkt sie ein bißchen verloren, wenn sie über ihre Aussichten und Pläne spricht. "Ich will einfach, dass es zum Leben reicht". Sie wurde in einer Großküche ausgebildet, "es hat Spaß gemacht" sagt sie und "ich wäre nie freiwillig gegangen". Ein Jahr nach dem Ende ihrer Ausbildung wurde die Küche geschlossen und sie verlor mit zwölf anderen Beschäftigten ihren Job. Die anschliessende Ausbildung zur Lehrerin an einer Hauswirtschaftsschule musste sie abbrechen, da das Geld zum Leben immer knapper wurde. Seit Januar diesen Jahres ist sie arbeitslos und man merkt ihr an, dass es an ihr zehrt. Jetzt will sie versuchen in Großküchen, bei Senioren und in Familien Aufträge als flexible Aushilfs-Köchin oder Haushälterin zu bekommen. Nadine hat in den letzten 8 Monaten nur drei Stellenangebote von der Arbeitsagentur bekommen, von dort erwartet sie nichts mehr. "Egal, ob ich was mache oder nich, da kommt keine Unterstützung, gar nix". Nur mit Hilfe von Schwarzarbeit in einem fränkischen Gasthaus hält sie sich über Wasser. Sie hat sich nicht auf das Amt oder die Agentur verlassen. Sie hat selbst gesucht, war bereit in Schichten zu arbeiten und als Hilfskraft in der Küche. Die einzigen Jobangebote waren Mini-Jobs unter 400 Euro und eine Zeitarbeitsfirma, die sie für 9 Monate vertraglich binden wollte, bei einem Stundenlohn von 6 Euro. Sie wollte immer eine Festanstellung, "das ist sicherer, da kannst abends abschalten". Jetzt steht sie kurz vor der Selbstständigkeit." Der Anfang wird schleppend" meint Nadine, sie hat keine großen Erwartungen. Die junge Frau, die in dem jugendlich eingerichteten Wohnzimmer sitzt, mit der Diddl Tasse auf dem Tisch, will nur ihre Existenz sichern, "ich hoff`s halt, dass es klappt".
Sie hat andere Ziele als die Gründer, die im naheliegenden Gründerzentrum ihre High-Tech Unternehmen aufbauen. Dort, in einem 20 Millionen teuren Gebäude, gibt es jederzeit Beratungsmöglichkeiten. Es gibt verbilligte Mieten für Labors und Büros, ein Cafe und einen Zierteich. Das durchschnittliche Startkapital der Unternehmer im Zentrum liegt über 50.000 Euro. Nadines Startkapital wird das Überbrückungsgeld sein, eine von zwei Förderoptionen der Arbeitsagentur. Sie wird für 6 Monate etwa 160% ihres Arbeitslosengeldes erhalten. Die andere Möglichkeit wäre der Existenzgründungszuschuss gewesen, auch "Ich-AG" genannt, aber davon würden ihr nach Abzug der Sozialver-sicherung nicht mehr als 300 Euro im Monat bleiben. Im letzten Jahr haben sich mehr als 240.000 Leistungsempfänger der Arbeitsagenturen selbstständig gemacht. Das sind 125.000 mehr als 2002, fast 20% sind Langzeitarbeitslose. Es ist eine andere Art von Gründungsboom.
Diese kleinen Unternehmen eignen sich nicht für politische Fototermine, und die Businesspläne klingen nur selten nach Zukunft und Innovation. Hausmeisterservice, Büroarbeiten und Köchin stehen bei dem Punkt Tätigkeiten auf ihren An-trägen. Aber die profan klingenden Begriffe verstecken eine erstaunliche Erfolgsgeschichte. Eine Umfrage des Münchner Büros für Existenzgründungen ergab, dass nach einem Jahr die meisten ihre Selbstständigkeit nicht mehr aufgeben wollen und 90% meinten, dass sie sich noch einmal selbstständig machen würden. Fast 60% der Befragten möchten in ihrem Leben nichts anderes mehr machen und auf jeden Fall selbstständig bleiben. Ob Nadine auch zu ihnen gehören wird, werden die nächsten Monate zeigen. Momentan bereitet sie sich mit Hilfe eines städtischen Beratungsbüros vor. Dort lernt sie die Grundsätze von Buchhaltung und Kundenakquise kennen."Es wird schon klappen" sagt sie. Ihre Freizeit verbringt sie mit ihren zwei Hunden. Einem ihrer Hunde hat sie den englischen Namen "Fighter", Kämpfer, gegeben.