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01.03.05 Politiker, Kennziffern und Kontrolle

Controlling. Ein einfaches Wort, dass für jedes Unternehmen lebenswichtig ist. Ein Unternehmen zu leiten ohne die aktuellen Kennziffern zu kennen und zu wissen in welche Richtung es steuert ist völlig unmöglich. Das Schöne an den Kennzahlen eines Unternehmens ist das sie sich fast immer in folgendes umrechnen lassen: Geld.

Das ist äußerst praktisch, bieten sich doch hier viele Vergleichsmöglichkeiten, eine Abteilung macht Gewinn, die andere nicht. Logischerweise läuft in der einen etwas schief, man muss etwas ändern.
Heutzutage kann man sich schnell auf einige Kennziffern einigen, die anzeigen ob es einem Unternehmen gut geht oder nicht.


Die Politik bildet einen witzigen Kontrast dazu: Ein Haufen Blinder die für das Beleuchtungsmanagement einer Großstadt zuständig sind.


Klingt böse ? Nehmen wir die aktuelle "Visa-Affäre", was ist das größte Problem dass durch sie sichtbar wurde ?


Im Jahr nach dem Inkrafttreten des "Vollmer-Erlasses", "in dubio pro libertate", im Zweifel für die Reisefreiheit, gehen die Visa- Erteilungen in der Ukraine sprunghaft nach oben.
Die Verantwortlichen melden ihre Probleme nach Berlin, dort verschwinden ihre Beschwerden im bürokratischen Sumpf. Niemand an der Spitze des Außenministeriums scheint die Entwicklung in den ersten Monaten zu bemerken, dass die Beschwerden von den Leuten vor Ort im Sumpf verschwinden ist normal und würde auch in jedem Konzern passieren.
In einem Konzern (mit guter Führung) würde man aber nach einiger Zeit die Veränderung bestimmter Kennzahlen bemerken. Die Gesamtzahl an erteilten Visas geht sprunghaft nach oben, die Botschaft in der Ukraine meldet rasantes Wachstum. Das sind nur zwei Zahlen, diese beiden Zahlen jede Woche elektronisch zu übermitteln würde nicht mehr als 2 Minuten kosten, alle weltweiten Zahlen in Berlin auszuwerten vielleicht 2 Stunden.
Dann hätte der schlaue Mann seinen Vorgesetzten informiert der direkt dem Minister verantwortlich ist und dieser hätte das Problem beseitigen können.


Warum ist das nicht passiert ? ( sorry wegen der ganzen Fragen ich habe meine ungeschickte sokratische Nacht )


Politik findet in Deutschland ( und zugegeben auch fast überall sonst ) immer noch im Blindenstadium statt, weder lernen Politiker mit Kennzahlen umzugehen noch sehen sie die Notwendigkeit. Ich kann die deprimierten Fernsehauftritte von Ministern, Exministern und sonstigen Politikern gar nicht mehr zählen.
Ein langer Blick in die Kamera: "man kann nur noch reagieren", "man wird von den Ereignissen gejagt", aber sie werden nicht von den Ereignissen gejagt, sie werden von den Medien gejagt. Die Medien werden aber erst auf Entwicklungen aufmerksam wenn sie ihnen auf die Füße gefallen sind oder ihnen jemand einen Zettel unter die Nase gehalten hat. Also lassen sich diese Politiker jagen, da sie aktuelle Entwicklungen erst erkennen wenn auch die Medien sie erkennen.
Ich nenne das "mediale Selbstbeobachtung", eine Politikergeneration die nie gelernt hat Zahlen und Fakten zu finden und zu interpretieren für die es immer wichtiger war zu sehen wie sie "wirken" als zu wirken, kann auch nur in den Medien erkennen was passiert.
Dazu trägt natürlich das deutsche System bei ( hey jeder hat sein Lieblingsthema ! ), von unserer aktuellen Ministerriege stammen fast alle aus Parlamenten, aber Parlamente sind kein Training für ein Ministeramt. Man kann nicht einfach von Showpolitiker auf Handelnd umschalten oder von Theoretiker zu Praktiker. Sicher der Bundestag enthält sehr viele, sehr gute Fachpolitiker, aber ob sie ihr Amt fachlich leiten können ist gar nicht die Frage, schaffen sie es 5000 im schlimmsten Fall unkündbare Mitarbeiter unter Kontrolle zu bringen ? Kann man Zahlen finden mit denen sich die Arbeit des Ministeriums kontrollieren lässt ?


Die Aufgabe ist fast unlösbar, schließlich haben die Parlamentarier wenn sie in das Ministerium wechseln keine freie Hand. Massenentlassungen wie in den USA sind unmöglich, einen großen persönlichen Stab im Ministerium zu entwickeln ist unmöglich. Außerdem lassen sich staatliche Dienstleistungen eben nicht immer in Geld umrechnen.

Auf gut deutsch "man kann nur noch reagieren". Was die Sache momentan noch verschärft ist die Herkunft einiger Minister und Funktionsträger, unter 68ern war der Anteil an BWL Studenten nicht besonders groß, kein Vorwurf ich kann nachvollziehen, dass das effektive Kontrollieren großer Organisationen in K-Gruppen kein positiv besetztes Thema war.


Die Bertelsmannstiftung hat vor einiger Zeit ein sehr positives Projekt zu Kennziffern in Kommunen entwickelt, eine stille Revolution, ohne die ich diesen Artikel nie geschrieben hätte.